Erinnerung

helgaNun ist es ein paar Tage her, dass Du uns voraus gegangen bist liebe Mom. Vielleicht auf dem gleichen Weg, auf dem auch Arno wandelt? Acht Wochen hat es gedauert, bis Du nach ihm eingeschlafen bist. So viele Träume und Wünsche hattest Du noch.
Es wird der Zeitpunkt kommen, an dem wir uns wiedersehen werden. Ich denke an den Tag zurück, an dem Du eingeschlafen bist. Wie oft habe ich den lieben Gott vorher angefleht, er möge Dich nicht leiden lassen. Wie oft habe ich darum gebeten, dass Du einen schnellen Tod ohne Schmerzen erhältst.
Morgens habe ich noch Michael abgeholt, damit Regina mit ihm einen Spaziergang machen konnte. Sie sollte für den Moment auf einen anderen Gedanken kommen. Als wir angekommen waren (keine Stunde, die ich weg war), kam uns Regina im Flur entgegen. Weinend und unendlich traurig. Ich befürchtete das Schlimmste. Sie erzählte uns, dass es Dir immer schlechter ging und die Durchbruchschmerzen anfingen. Ich wünschte, ich hätte Dir diese Schmerzen nehmen können.
Eine Kerze hatten wir für dich entzündet im Schlafzimmer. Es sollte Dir das gute, positive Licht aufzeigen. Licht und Wärme geben für die Sinne. Die zusätzliche Schmerzmedikation, die Dir von ihr verabreicht wurde, half sehr schnell. Im Gegensatz zum vorangegangenen Tag hattest Du wieder gleichmäßig und ruhiger geatmet. Die Atermaussetzer waren nicht mehr da, keine Schnappatmung mehr.
Während dem Spaziergang von Regina war ich bei Dir am Bett, hielt Deine Hand und erzählte Dir von dem Licht, was Dich erwartet. Ich erzählte Dir, dass Du keine Angst mehr haben bräuchtest und strich mit der Hand über Deine Stirn.
Es waren Momente, die ich nicht mehr in meinem Leben vergessen werden. Die Momente, in denen ich Dir von Gott erzählte.
Das Telefon klingelte. Ich sagte Dir, dass ich kurz hingehe um danach wieder bei Dir zu sein. Keine drei Minuten hat es gedauert. Regina kam gerade wieder zur Tür herein während ich auflegte. Sie kam zu mir und fragte mich, wie es Dir in dem Moment geht. Sie war beruhigt, als ich ihr von Deiner Ruhe erzählte. Gemeinsam gingen wir zurück zu Dir ins Schlafzimmer.
Du hattest die Augen halb geöffnet. So, als ob Du dir etwas anschauen würdest. Dein Mund war leicht geöffnet, als wenn Du etwas erzählen wolltest. Doch Du hattest nicht mehr geatmet. Wir schauten uns an, sprachlos, ratlos. Regina fragte noch, ob Du gleich wieder atmest. So, als wenn Du wieder Atemaussetzer hättest.
Doch Du bist eingeschlafen. Für immer. Wir waren unendlich traurig und weinten bitterlich. Wir hielten uns im Arm um uns für den Moment gegenseitig Trost zu spenden.
Vielleicht hast Du auf genau diesen Moment gewartet. Liebende Menschen sterben leichter, wenn sie nicht spüren, wie ihre Liebsten leiden. Uns wurde gesagt, dass diese Menschen meist in den Momenten sterben, wo sie unbeobachtet sind.
Ich hoffe, Du musstest in den Tagen des Sterbens nicht zu sehr leiden und Qualen durchleiden. Auch hoffe ich, dass wir Dir diesen Weg so angenehm wie möglich gemacht haben.
Nun bleibt uns vorerst nur unsere Erinnerung an Dich

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